Gespa-Sperrliste 2025 — wie 2’597 blockierte Domains den Schweizer Wettmarkt prägen

Updated Juli 2026
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Browserseite mit Sperrliste-Hinweis der Schweizer Aufsichtsbehörde Gespa

Die Zahl, an der niemand vorbeikommt

2’597. Diese Zahl notiere ich mir seit Anfang September 2025 in meinem Beobachtungsheft. Bis Ende August 2025 standen 2’597 nicht-bewilligte Online-Domains auf der offiziellen Gespa-Sperrliste — ein neuer Rekordwert und eine Verfünffachung gegenüber 2022. Wer den Schweizer Wettmarkt verstehen will, kommt an diesem Zähler nicht vorbei.

Die Sperrliste ist mehr als eine bürokratische Tabelle. Sie ist das sichtbare Ergebnis einer regulatorischen Entscheidung, die 2018 an der Urne fiel und seit 2019 in Kraft ist — und sie wächst Monat für Monat. Ich werde im Folgenden zeigen, woher die Rechtsgrundlage stammt, wie der Block technisch funktioniert, wer dort landet und welche Folgen das für Schweizer Spieler hat.

Was Artikel 86 des Geldspielgesetzes wirklich sagt

Es gibt Gesetze, die liest jeder Politiker im Wahlkampf vor, und es gibt Gesetze, die wirklich wirken. Artikel 86 des Geldspielgesetzes gehört zur zweiten Sorte — er liefert die Rechtsgrundlage, die seit dem 1. Januar 2019 die gesamte Sperrlisten-Mechanik trägt.

Das Geldspielgesetz wurde von der Schweizer Bevölkerung am 10. Juni 2018 angenommen und trat zusammen mit seinen Durchführungsverordnungen am 1. Januar 2019 in Kraft. Artikel 86 verpflichtet die Anbieter von Telekommunikationsdiensten — also die Schweizer Internet-Provider — den Zugang zu unbewilligten Online-Geldspielangeboten auf Anweisung der zuständigen Behörden zu sperren. Für Sportwetten ist diese zuständige Behörde Gespa, die interkantonale Geldspielaufsicht; für Casinos die Eidgenössische Spielbankenkommission ESBK.

Wichtig zu wissen: Die Sperrliste ist kein Strafkatalog für Spieler. Sie ist eine technische Massnahme gegenüber Anbietern, die ohne Schweizer Bewilligung den hiesigen Markt bedienen. Das Gesetz richtet sich gegen die Veranstalter — nicht primär gegen die Teilnehmer. Diese rechtliche Konstellation wird oft missverstanden, und sie ist die Grundlage für alle weiteren Mechanik-Fragen.

Wie ein Domain-Block tatsächlich abläuft

Wer glaubt, eine Sperre würde durch eine zentrale Schweizer Firewall durchgesetzt, irrt. Der Schweizer Ansatz ist dezentral und nutzt die DNS-Infrastruktur der Internet-Provider — Swisscom, Sunrise, Salt, Init7 und die kleineren Anbieter.

Der Ablauf in groben Strichen: Gespa identifiziert einen nicht-bewilligten Anbieter, der seine Dienste an Schweizer Spieler richtet. Das geschieht durch Marktbeobachtung, Hinweise von Mitbewerbern, automatisierte Scans nach deutschsprachigen Anbieter-Seiten mit Bezug zur Schweiz und durch Konsumenten-Beschwerden. Die Behörde verfügt anschliessend die Aufnahme in die Sperrliste, und die Schweizer Provider sind verpflichtet, die DNS-Auflösung für diese Domains zu unterbinden. Wer aus dem Schweizer Wohnort eine gesperrte Adresse aufruft, landet auf einer Hinweisseite der Provider, nicht beim Anbieter.

Diese Form der Sperre ist nicht absolut. Wer ein VPN nutzt, einen alternativen DNS-Server konfiguriert oder über einen Zweitwohnsitz im Ausland zugreift, kann die Sperre technisch umgehen. Das ist allerdings nicht das relevante Thema — die rechtliche und praktische Frage liegt woanders, und dazu komme ich gleich.

Vom Pilotbetrieb zum Rekord

Die Sperrliste begann 2019 klein. Ich erinnere mich an den ersten Monat, als die Liste noch unter hundert Einträge zählte — und schon damals haben Branchenstimmen prophezeit, dass das System nicht skaliert. Die letzten sechs Jahre haben das Gegenteil bewiesen.

Mit 2’597 Einträgen bis Ende August 2025 hat sich der Bestand seit 2022 verfünffacht — und das Wachstum verläuft nicht linear, sondern beschleunigt. Hinter dieser Dynamik stehen drei Faktoren. Erstens reagieren nicht-bewilligte Anbieter auf Sperren mit Mirror-Domains; eine blockierte Marke kann unter sechs neuen Domain-Adressen am nächsten Monat wieder auftauchen, was die Zähler immer weiter nach oben treibt. Zweitens haben sich die Mittel der Marktbeobachtung professionalisiert, Gespa identifiziert schneller. Drittens drängen seit 2023 vermehrt Affiliate-Strukturen mit kurzlebigen Domains in den Markt — Whitelabel-Plattformen, die unter wechselnden Namen dieselben Spieleseiten weiterleiten.

Praktisch heisst das: Die Liste wird auf absehbare Zeit weiter wachsen. Wer als Beobachter glaubte, irgendwann sei «durchblockiert», hat die Wirtschaftslogik der nicht-bewilligten Anbieter unterschätzt. Solange der Schweizer Markt mit CHF-Kaufkraft attraktiv bleibt, finden Markenstrukturen neue Wege auf den Markt — und die Behörde reagiert mit neuen Einträgen.

Wer auf der Liste steht und warum

Die Sperrliste ist öffentlich einsehbar, was sie zu einem der nützlichsten Recherche-Tools macht, die ich kenne. Wer dort einträgt, lässt sich grob in drei Kategorien einteilen: international bekannte Buchmacher-Marken mit europäischer Lizenzbasis, primär Curaçao-lizenzierte Anbieter mit aggressivem Marketing in den deutschsprachigen Raum, und kurzlebige Whitelabel-Strukturen ohne nennenswerte Marken-Bekanntheit.

Die zweite Kategorie ist quantitativ die grösste. Die meisten der gesperrten Domains führen zu Anbietern, die ihre Konzession in Curaçao halten — typischerweise unter einer Master-License-Antillephone-Sub-Lizenz, die in den letzten Jahren in Verruf geraten ist. Wer sich detaillierter ansehen möchte, wie diese Lizenz strukturiert ist und welche Risiken sie für Schweizer Spieler birgt, findet das in meiner separaten Analyse zu den Curaçao-lizenzierten Wettanbietern und ihren regulatorischen Lücken. Bekannte Marken aus der Vergangenheit, deren Marketing in deutschsprachiger Form auf die Schweiz zielte, landen früher oder später auf der Liste — das ist nicht persönlich gemeint, sondern Folge des regulatorischen Designs.

Was man dort nicht findet: legale Schweizer Anbieter Sporttip von Swisslos und Jouez Sport von Loterie Romande. Und man findet dort auch nicht die wenigen ausländischen Anbieter, die explizit nur Märkte ausserhalb der Schweiz bedienen und kein deutschsprachiges, schweizbezogenes Marketing betreiben.

Was Spielern, Anbietern und Vermittlern droht

Hier wird es für die meisten Leser konkret. Die rechtliche Lage ist differenzierter, als die mediale Berichterstattung gelegentlich suggeriert — und die Durchsetzungspraxis hat sich in den letzten zwei Jahren spürbar verschärft.

Die Zahl der Hausdurchsuchungen wegen illegaler Geldspielaktivitäten in der Schweiz stieg 2024-2025 um 46 Prozent, die der Strafverfahren um 28 Prozent. Diese Verfahren richten sich primär gegen Veranstalter, Vermittler, Affiliate-Betreiber mit Schweizer Bezug sowie gegen Personen, die nicht-bewilligte Anbieter aktiv bewerben oder Schweizer Spielern den Zugang erleichtern. Der Präsident des Schweizer Casino Verbands und Nationalrat Dr. Gerhard Pfister hat den Schutzgedanken dahinter in einer Medienmitteilung knapp formuliert: «Die Spielerinnen und Spieler in der Schweiz müssen vor den illegalen Online Casinos geschützt werden.» Für den durchschnittlichen Spieler, der eine Wette auf einer gesperrten Plattform platziert, ist die strafrechtliche Verfolgung aktuell selten — aber nicht ausgeschlossen, vor allem bei wiederholter und auffälliger Nutzung.

Die relevanteren Risiken sind anderer Art und werden oft unterschätzt: kein durchsetzbarer Anspruch auf Auszahlung gegenüber dem nicht-bewilligten Anbieter, keine Schweizer Schiedsstelle bei Streitigkeiten, voll steuerpflichtige Gewinne ohne die Befreiung bis CHF 1’070’400, sowie die Möglichkeit, dass sich der Anbieter über Nacht aus dem Markt zurückzieht und das Spielkonto in der Folge nicht mehr erreichbar ist. Das sind keine theoretischen Szenarien; sie sind in den letzten Jahren mehrfach eingetreten, und die Spielmittel waren danach faktisch verloren.

Was die Liste für den Schweizer Wettmarkt wirklich bedeutet

Die 2’597 gesperrten Domains sind die sichtbarste Manifestation einer regulatorischen Entscheidung, die der Schweizer Markt vor sieben Jahren getroffen hat: Konzentration der legalen Online-Sportwetten auf zwei lizenzierte Anbieter, dezentrale technische Durchsetzung durch DNS-Sperren, und schwerpunktmässige Strafverfolgung gegen Veranstalter statt gegen Spieler. Die Liste ist kein Endpunkt, sondern ein lebendes Dokument, das mit jedem Monat länger wird — und das den realen Wettmarkt der Schweiz im Hintergrund prägt, auch wenn die meisten Spieler nie einen Blick darauf werfen.

Wird ein einzelner Spieler bestraft, wenn er eine gesperrte Wettseite besucht?

Die Sperrlisten-Mechanik richtet sich gegen die Veranstalter, nicht primär gegen Teilnehmer. Strafverfahren gegen einzelne Spieler sind selten, aber bei wiederholter und auffälliger Nutzung nicht ausgeschlossen. Die grössten praktischen Risiken liegen jedoch nicht im Strafrecht, sondern in fehlenden Auszahlungsansprüchen, voller Steuerpflicht der Gewinne und der Möglichkeit, das Spielkonto bei einem Marktrückzug des Anbieters faktisch zu verlieren.

Werden neue Anbieter laufend hinzugefügt oder gibt es feste Update-Zyklen der Sperrliste?

Die Liste wird kontinuierlich aktualisiert. Gespa nimmt neue Anbieter auf, sobald die Identifikation und das Verfahren abgeschlossen sind. Es gibt keinen festen Monatszyklus — das Wachstum verläuft eher in Wellen, je nachdem wie viele Mirror-Domains und neue Whitelabel-Strukturen die Behörde gleichzeitig aufgreift.

Erstellt vom Redaktionsteam „Golf Wetten Bonus Schweiz”.

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